Rizinusöl fristen in den meisten Haushalten ein Dasein irgendwo zwischen Großmutters Hausapotheke und harmlosen Beauty-Tipps aus dem Internet. Dabei ist dieses Öl eines der faszinierendsten und vielseitigsten Naturheilmittel, die ich in meiner Praxis empfehle. Es wirkt – auf Darm, Haut, Haare und sogar tief in die Leberentgiftung hinein. Aber es gibt klare Spielregeln. Die sollten Sie kennen.
Was macht Rizinusöl so besonders?
Das Geheimnis liegt in seiner einzigartigen Zusammensetzung: Bis zu 90 Prozent des Öls bestehen aus Ricinolsäure – einer einfach ungesättigten Fettsäure, die so in keinem anderen Pflanzenöl vorkommt. Ricinolsäure ist die Ursache für so gut wie alle therapeutischen Wirkungen des Öls.
Kaltgepresstes Rizinusöl ist dickflüssig, leicht gelblich und hat einen neutralen Geruch. Kaufen Sie immer kaltgepresstes, reines Bio-Rizinusöl – hexanfrei, ohne Zusätze.
Anwendung 1: Innerlich – bei akuter Verstopfung
Rizinusöl ist eines der wirksamsten natürlichen Abführmittel überhaupt. Es wird im Dünndarm nicht absorbiert – stattdessen spalten Gallesalze die Ricinolsäure ab, die dann kräftig die EP3-Rezeptoren der Darmwand aktiviert. Das Ergebnis: starke Darmbewegungen, weicher Stuhl, Entleerung.
Dosierung bei Verstopfung: 1 bis 2 Esslöffel (5–10 ml) auf nüchternen Magen. Wirkungseintritt: 2 bis 6 Stunden.
Rizinusöl ist kein Mittel zur dauerhaften Einnahme. Bitte nicht länger als 2 Wochen ohne ärztliche Begleitung anwenden – es besteht das Risiko einer Darmträgheit und Elektrolytverschiebung. Absolut kontraindiziert in der Schwangerschaft (kann Wehen auslösen). Nicht geeignet bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder unklaren Bauchschmerzen.
Anwendung 2: Der Leberwickel – meine persönliche Empfehlung
Das ist die Anwendung, die ich in meiner Praxis am häufigsten empfehle – und die meine Patienten am meisten überrascht. Ein Leberwickel mit Rizinusöl ist eine der tiefenwirksamsten Methoden, die Leber von außen zu unterstützen.
Die Ricinolsäure penetriert tief in die Haut und das darunterliegende Gewebe. Studien zeigen, dass die Leberdurchblutung um bis zu 40 Prozent steigen kann. Gleichzeitig wird das Lymphsystem aktiviert, Entzündungen werden gedämpft und das vegetative Nervensystem schaltet in den Parasympathikus – Ihr Körper findet echte Ruhe.
So funktioniert der Leberwickel – Schritt für Schritt:
- Ein Baumwoll- oder Flannelltuch falten und mit 1 bis 2 Esslöffeln Rizinusöl tränken (nicht tropfend nass)
- Hinlegen und das Tuch direkt auf den rechten Oberbauch (Leberbereich) legen
- Mit einem trockenen Handtuch abdecken
- Eine angewärmte Wärmflasche oben drauflegen
- 1 bis 3 Stunden liegen, vollständig entspannen – kein Handy, kein Stress
- Empfohlene Häufigkeit: 2 bis 4 Mal pro Woche
- Ideal: abends vor dem Schlafen – fördert die nächtliche Regeneration
Anwendung 3: Äußerlich auf der Haut
Ricinolsäure ist kräftig entzündungshemmend und antimikrobiell. Aufgetragen auf die Haut:
- Beruhigt gereizte, trockene und schuppige Haut innerhalb von 24 bis 48 Stunden
- Wirkt bei Ekzem und Psoriasis entzündungshemmend
- Unterstützt die Narbenregeneration
- Pflegt rissige Fersen und Ellbogen
- Wird in der Kosmetikindustrie für Lippenpflegemittel, Cremes und Badeöle verwendet
Einfach eine kleine Menge unverdünnt auf die betroffene Stelle auftragen und einmassieren. Für großflächige Anwendungen: mit Jojobaöl oder Arganöl verdünnen (Rizinusöl ist sehr dickflüssig).
Anwendung 4: Haare, Wimpern und Kopfhaut
Rizinusöl gilt als eines der effektivsten natürlichen Haarpflegemittel. Die verbesserte Durchblutung des Haarbodens, die entzündungshemmende Wirkung auf die Haarfollikel und die nährenden Fettsäuren machen es so beliebt:
- Haarwachstum anregen: In die Kopfhaut einmassieren, mindestens 30 Minuten einwirken lassen (oder über Nacht mit einer Duschhaube)
- Wimpern und Augenbrauen: Mit einem sauberen Wimperntuschebürsten abends auftragen – nach 4 bis 6 Wochen ist der Unterschied sichtbar
- Schuppen und trockene Kopfhaut: Direkte antientzündliche Wirkung auf gereizte Haarwurzeln
Aus Sicht der TCM: Feuchtigkeit und Bewegung
In der Traditionellen Chinesischen Medizin entspricht die Dickdarmfunktion – und damit die Entgiftung über den Stuhl – einem der wichtigsten Ausscheidungswege. Ein stagnierendes Qi im Dickdarm führt in der TCM zu Trockenheit, Verstopfung, aber auch zu Erschöpfung und trüber Haut.
Rizinusöl wirkt aus TCM-Sicht befeuchtend (behebt Trockenheit im Darm) und bewegend (löst Stagnationen). Der Leberwickel stimuliert zusätzlich das Leber-Qi – bei Stagnation des Leber-Qi, die sich in Völlegefühl, Reizbarkeit und Druckgefühl im rechten Oberbauch zeigt, ist er ein hervorragendes ergänzendes Mittel.
Fazit: Ein Öl – viele Einsatzmöglichkeiten
Rizinusöl gehört in jede gut ausgestattete Hausapotheke. Als Leberwickel, zur Haarpflege, für gereizte Haut und – mit Bedacht – bei akuter Verstopfung. Die Spielregeln sind klar: kaltgepresst kaufen, äußerlich nahezu ohne Einschränkungen anwenden, innerlich nur kurzfristig und nicht in der Schwangerschaft. Ihr Körper wird es Ihnen danken.
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